Wir bloggen hier im Contentking-Magazin ja so gut wie gar nicht mehr, aber was in den letzten Tagen in Sachen Content-AI passiert ist, bedarf einer umfassenden Analyse – weil es grundlegende Änderungen in der Web-Landschaft mit sich bringen wird. Vor allem im Bereich der Dienstleistungen, wie Programmierung, Content-Erstellung und der Suche im Allgemeinen.

Wir testen schon relativ lange mit entsprechenden Produkten wie Jasper, Neuroflash, Copymatic usw. und der Content-Output war bisher nur in wenigen Fällen wirklich brauchbar. Alles in allem eher unter “Hype” abgelegt. Vor allem in etwas “nischigeren” Umfeldern war man bis dato besser bedient und fast schneller, wenn man entsprechende Redakteure und Autoren beauftragt hat. Das liegt zum einen im resultierenden Output begründet, aber auch in der Usability der Tools. Die Eingabe der “Briefings” ist teilweise kompliziert und zeitaufwendig, das Resultat holprig zu lesen, mit kurzen Sätzen und Wiederholungen – in vielen Fällen einfach unbrauchbar. Mit OPENAI bzw. Chat-GPT hat sich das aus unserer Sicht grundlegend geändert. Nachfolgend möchten wir Euch zeigen, was jetzt schon möglich ist.

Was bedeutet GPT eigentlich?

Die Abkürzung GPT steht für Generative Pre-trained Transformer, d.h. das Tool greift auf einen antrainierten Fundus an Informationen zurück. Sobald ein User eine Anfrage stellt, werden auf Basis von NLP-Modellen entsprechende “beste Antworten” zurück geliefert. Der große Vorteil: auch wenn die Antworten nicht immer zu 100% passen, lernt die AI mit jedem Request dazu. In Chat-GPT gibt es z.B. einen “try again”-Button mit dem der Nutzer einen neuen Vorschlag anfordern kann, während die AI in diesem Moment lernt, dass die erste Antwort nicht optimal war. Und das heißt auch, dass die AI mit zunehmenden Nutzungszahlen immer schneller immer “schlauer” wird. Der pre-trained Datenfundus wächst damit dynamisch und exponentiell.

GPT steht für “Generative Pretrained Transformer”. Dies ist ein Modell, das von OpenAI entwickelt wurde, um menschenähnliche Texte zu generieren. Es verwendet ein neuronales Netzwerk-Modell namens Transformer, das auf großen Datensätzen vorgeschult wurde, um eine Vielzahl von Aufgaben im Bereich der natürlichen Sprachverarbeitung zu erledigen. GPT wird hauptsächlich verwendet, um Texte zu generieren, die in ihrer Struktur und ihren Inhalten menschenähnlich sind, aber es kann auch für andere Aufgaben im Bereich der künstlichen Intelligenz eingesetzt werden.

Antwort von chat-GPT auf die Frage: Was bedeutet GPT eigentlich?

Wer kann Chat-GPT nutzen und was kostet es?

Chat-GPT ist für jeden zugänglich und aktuell aber noch hinter einem Login versteckt. Allerdings kann sich jeder binnen weniger Sekunden einen Account anlegen. eMail und Passwort wählen, OptIn-Mail bestätigen, Mobil-Nummer eingeben und Code per SMS validieren – fertig. Dann kann es auch schon losgehen. Dabei ist Chat-GPT komplett kostenfrei – ob das so bleiben wird, werden wir sehen. Die Rechenkapazität dahinter ist schon massiv und bisher gibt es keine erkennbare Monetarisierungs-Strategie.

Chat-GPT wächst rasant

Offiziell wurde Chat-GPT letzten Mittwoch gelauncht – binner kürzester Zeit hat die Plattform jetzt über 1 Million Nutzer:

Ein beeindruckendes Wachstum und auch Indikator dafür, wie schnell der Dienst an Relevanz bekommen gewinnen wird für die Zukunft, denn der Erfolgsfaktor für selbstlernende Modelle sind große Datenmengen – bei über 1 Million Nutzer kann das System einfach schneller lernen.

Wie gut ist Chat-GPT jetzt schon?

Sagen wir es mal so: Chat-GPT ist bereits jetzt in der Lage, sehr viele redaktionelle Jobs zu übernehmen und sogar grundlegende Hilfe zur Webentwicklung zu geben. Die Texte sind mittlerweile sehr gut lesbar und in den meisten Fällen kann man tatsächlich nicht mehr erkennen oder heraushören, dass es ein automatisch generierter Text ist.

Einfache glossar-ähnliche Erklärungstexte sind gar keine Herausforderung mehr, d.h. wer ein Lexikon erstellen möchte, kann dies jetzt mit sehr wenig Zeitaufwand in guter Qualität mit Chat-GPT machen.

Dass openai bzw chat-GPT noch in den Kinderschuhen steckt, bestätigt auch der CEO Sam Altmann in diesem Tweet:

https://twitter.com/sama/status/1601731295792414720

Grenzen von Chat-GPT

Chat-GPT hat aber natürlich auch (noch) seine (ihre?) Grenzen: die Trainingsdaten sind nicht mehr ganz aktuell und reichen nur bis ins Jahr 2021. Für neue Suchbegriffe oder Themen rund um News und Events bekommen wir leider keine Daten zurück – dafür aber entsprechende Informationen, warum es keine Daten gibt. Dabei ist die AI schon recht schlau: für Querys wie “aktuelle Spielstände der Fußball WM” bekommen wir schon die Info zurück, dass Chat-GPT hier keine Daten liefern kann.

Und das obwohl wir keine Jahreszahl in Abfrage geschrieben haben. Die AI erkennt den Aktualitätsbezug automatisch.

Aktuell kommt Chat-GPT leider noch recht schnell an technische Kapazitätsgrenzen, die dann in “network error”-Meldungen resultieren.

Chat-GPT network error
Gerade bei längeren Inhalten bricht das Tool teilweise während des Schreibvorgangs ab.

Wenn man dann weitermachen möchte, kommt die nächste Fehlermeldung mit “too many requests – please slow down”.

Chat-GPT too many Requests
Aber es gibt Abhilfe: einmal ausloggen und neu anmelden, dann lässt sich die AI wieder bespielen.

Und in einigen Fällen sind thematische Grenzen sogar sehr sinnvoll, gerade dann wenn es um wichtige Fakten mit Aktualitätsbezug geht. Hier macht Chat-GPT ebenfalls einen hervorragenden Job und versucht kritische Informationen lieber gar nicht zu geben, um Fehler oder Konsequenzen für den Nutzer auszuschließen. Beispiel gefällig?

Chat-GPT Fakten
Hier ist die AI sehr ehrlich zum Nutzer und gibt sogar noch Tipps, wo man sich zu den Einreisebestimmungen informieren sollte.

Andere Tools wie z.B. copymatic.ai liefern zu dieser Anfrage bzw. dem Briefing entsprechenden Content zurück:

Mit dem Tool CopyMatic bekommen wir den gewünschten Content, können aber nicht wirklich nachvollziehen, ob die Informationen korrekt sind. Im Vergleich zu Chat-GPT werden hier auch noch Bilder generiert und weitere Infos zu SEO-Score etc. geliefert.

Man muss dazu sagen, dass ein Vergleich solcher Tools nur an wenigen Datenpunkten Sinn macht. Grundsätzlich arbeiten alle mit dem GPT-Modell haben aber andere bzw. zusätzliche Funktionalitäten. CopyMatic hat ein sehr umfangreiches Dashboard mit dutzenden Services: Nutzer können das Tool beispielsweise nutzen, um das URL-Snippet für die SERPs zu optimieren, About-Texte zu verfassen, Video-Scripts zu erzeugen, Willkomens-Mails zu formulieren und vieles mehr. Das kann Chat-GPT auf den ersten Blick nicht – oder doch?

Chat-GPT hat zwar kein Dashboard und damit für den Nutzer vorgefertigte Module und Jobs, aber die AI versteht Arbeitsanweisungen schon ziemlich gut und liefert ab:

Chat-GPT – weit mehr als nur AI-Ghostwriting

Die Chat-GPT AI ist überraschend schlau: so lassen sich nicht nur Text schreiben, sondern auch entsprechende “Formate” generieren. Wir haben das mal anhand von “Rezepten” getestet:

Chat GPT kann auch kochen
Schon beeindruckend: die AI versteht, dass ich das Rezept haben möchte und schickt mir nicht nur die Zutaten-Liste für Lasagne, sondern auch direkt die Zubereitungsanweisung inklusive Kochtipps am Ende. Wer schon immer mal eine Rezepte-Webseite bauen wollte: now is the time!

Und es wird aber noch besser: der geneigte SEO reichert seine Inhalte ja bekanntermaßen sehr gerne mit schema.org-Markup an und weiß, dass es ein spezielles Markup extra für Rezepte gibt! Und guess what – Chat-GPT kann auch das liefern:

Chat-GPT recipe Markup

Chat-GPT kann coden

Nachdem die Anfrage für das Recipe Markup schon perfekt funktioniert hat, haben wir andere Querys ausprobiert und waren echt positiv überrascht. Chat-GPT kann coden! Eine häufige Suchanfrage ist “Code für HTML-Formular” – Menschen, die eine eigene Webseite erstellen, scheinen das häufig zu suchen. Chat-GPT liefert auch hier entsprechenden Code und erklärt zusätzlich, dass für die Verarbeitung noch PHP notwendig sein könnte.

Wir haben übrigens auch verschiedene Fragestellungen zum “HTML-Formular” getestet und alle haben durch die Bank das richtige Ergebnis zurück geliefert:

  • Wie macht man ein Formular in HTML?
  • Wie erstelle ich ein Online Formular?
  • etc.

Das ist aber noch lange nicht alles – auf der Suche nach coolen Anwendungsbeispielen, haben wir diesen Tweet gefunden:

Chat-GPT kann nicht nur selber Code erstellen, sondern sogar bei Bugfixes helfen!

Wie bereits im Intro beschrieben, werden Dienste wie Chat-GPT die Weblandschaft – und nicht nur die – in Zukunft stark verändern. Ein paar Kollegen aus den USA haben ausprobiert, ob die AI auch Drehbücher schreiben kann. Mit überraschendem Ergebnis:

Und auch bei wirklich komplexem Code, wie z.B. RegEx-Anweisungen, kann Chat-GPT punkten:

Die Möglichkeiten, die Chat-GPT bietet sind beeindruckend und erschreckend zugleich. Hier hat ein Twitter-User getestet, wie die AI auf medizinische Fragen reagiert. Und wie zu erwarten kommen auch hier passende Antworten zurück (deren Wahrheitsgehalt natürlich gerade im Umfeld von persönlicher Gesundheit immer zu hinterfragen sind). Grundsätzlich könnte die AI also in Zukunft auch den Job von Ärzten übernehmen:

Hey AI – erstelle ein SEO Audit

Da wir als Agentur häufig SEO-Audits erstellen, mussten wir natürlich testen, wie die AI reagiert, wenn wir ein SEO-Audit bei Chat-GPT “beauftragen”! 😉

Die Gute Nachricht für uns: außer allgemeine Hinweise zum Inhalt eines solchen Audits, gibt es keine konkreten Handlungsempfehlungen. Noch nicht! Ich kann mir aber gut vorstellen, dass auch solche Leistungen von der AI übernommen werden könnten. Time will tell!

komplexe Inhalte einfacher formulieren? Kein Problem für Chat-GPT

Auch diesen beeindruckenden Use-Case haben wir bei den Recherche-Arbeiten gefunden: Hier hat jemand die AI beauftragt einen recht kompliziert geschriebenen Text, einfacher zu formulieren. Das Resultat lässt sich sehen:

Unser Fazit zu Chat GPT

Chat GPT steckt immer noch in den Kinderschuhen – dafür aber in sehr großen! Es ist beeindruckend, was jetzt schon möglich ist. Mit zunehmenden Nutzerzahlen und Input lernt die AI immer schneller und der Output wird immer besser, weshalb sich Web-Publisher und Online-Marketer schon jetzt grundlegend damit beschäftigen sollten, denn solche Tools werden Jobs kosten!

Und nicht nur das: wir sind uns sicher, dass auch andere Geschäftsmodelle sehr genau hinsehen und aufpassen sollten. Plattformen und Anbieter, auf denen Redakteure/Autoren und Endabnehmer/Publisher zusammen gebracht werden, sollten sich warm anziehen, denn in Zukunft werden Inhalte sicher vermehrt per AI erstellt. Schneller, einfacher, kostengünstiger und wahrscheinlich sogar besser. Das gilt im Übrigen nicht für Text, sondern auch für Bilder und Fotos. Wer bisher teuer bei istock oder getty-images eingekauft hat, kann sich das Bildmaterial mittlerweile via dall-e kostenlos besorgen. Wer bei Textbroker oder anderen Plattformen Content ordert, kann das in Zukunft schneller und quasi kostenlos über Chat-GPT machen.

Aber das sind ja nur die kleinen Anwendungsfälle: wie wir gesehen haben, kann Chat-GPT auch Code! Nicht nur schreiben sondern auch redigieren, korrigieren inklusive Bugfixing. Harte Zeiten für Webentwickler und kleine OneMan-Shows, die beispielsweise mit der Erstellung von “Online Formularen” oder sonstigen eigentlich einfachen Codeschnipseln hier und da Geld verdienen.

Das GPT-3-Modell als Chat zur Verfügung zu stellen war einfach eine sehr clevere Idee. Die gefühlte Interaktivität und kurze Responsezeit begeistert die Nutzer. Andere Tools wie Jasper und Neuroflash setzen auch auf GPT-3, aber die Usability ist nicht vergleichbar.

Und was wäre, wenn sich Chat-GPT so weit durchsetzen würde, dass wir Google als Suchdienst gar nicht benötigen, weil die “Suchergebnisse” bei Chat-GPT einfach besser sind? Keine SERPs mehr, in denen der Nutzer erstmal noch selber eine Auswahl treffen muss und immer Gefahr läuft, auf einer werbe-überladenen Webseite zu landen und dort gar nicht das zu finden, was er eigentlich gesucht hat! Wir erinnern uns, als Google damals auf den Markt kam: kein klickibunti-Ad-Gewitter wie auf Yahoo, Altavista und Fireball, nur schöne Ergebnisse! Das war DER USP damals und maßgeblich dafür verantwortlich, dass Google damals schnell Marktanteile gewonnen hat. Dazu muss Chat-GPT aber natürlich auch ohne Login nutzbar werden.

Wir haben es auf jedem Fall weiterhin auf dem Schirm und werden mit Sicherheit einige Dinge ausprobieren und Chat-GPT testen. Anwendungsszenarien haben wir mehr als ausreichend.